Sonne, Palmen, Strand. Klingt wie ein zum Träumen schönes Paradies. Aber die Träume liegen längst in Trümmern, Cocktail-Gläschen in Scherben, und aus irgendeinem Grund spülen die sanft rauschenden Wellen weder Flaschenpost noch Bikini-Nixe an, sondern Eingeweide und abgefressene Körperteile.
Paradiesische Kulisse, harte Zombie-Action, offene Welt, Rollenspielelemente, und das alles zu viert. Nicht schlecht.
AusblickDass die letzten Rückbleibsel des geplanten Urlaubs müffelnde Bermuda-Shorts und ein paar käsige Badelatschen sind, daran sollte man sich gewöhnen. Dass statt Poolschönheit und Sprüche klopfender Animatoren massenweise Zombies durchs Paradies scharwenzeln, auch. Irgendwie hatten die vier Hauptcharaktere von „Dead Island“ andere Vorstellungen, als im Reiseprospekt von einem Royal Palms Resort auf der malerischen Insel Banoi in Papua Neuguinea die Rede war. Vier deshalb, weil die grassierende Koop-Grippe vor „Dead Island“ nicht haltmacht. Gut so.

Aus den Fugen geratenes Paradies: Hier war's mal schön.All die Zombie-Frischlinge zu ignorieren, bringt nur Ohrenschmerzen. Immerhin ist ihr Stöhnen bis in die verrammelte Luxusferienhütte zu hören, in der sich eine Gruppe überlebender Urlauber verschanzt. Obendrein zerfleddern sie gerade den armen Rettungsschwimmer auf der Veranda, der ein paar helfende Hände bitter nötig hätte.
Zum Anfang tut’s vielleicht auch das modrige Paddel. Der Hauptcharakter, in diesem Fall ein robuster, bündig betitelter Bursche namens Sam B., greift zu. Die anderen drei Figuren sollen wie in Borderlands eigene Spezialitäten und Fertigkeiten haben, vom Meuchler bis zum
Prügelaffen. Das Abenteuer ändert sich dadurch nicht grundlegend, aber es klingt unheimlich verlockend, mit drei Freunden kooperativ reinen Tisch zu machen.
Sam sperrt die Holztür auf, wagt einen Schritt, und sofort sticht der über dem Spiel liegende Kontrast ins Auge – die klaffende Lücke zwischen Traum und Albtraum. Oben die brennende Sonne, deren Licht sich in den hin und her wippenden Palmenkronen bricht, unten Tod, Verderben, Blut und Gekröse.

Bis das Virus ausbricht.In einem Moment die reizende Schönheit einer Bikinifigur mit ansehnlichen Rundungen und knappem Bade-Outfit. Aber sobald sie den Kopf dreht, schaut man in die leeren Augen dieser von Fleischwunden und Bissen übersäten Frau. Einer Frau, die sich gerade mit mehreren Necro-Hengsten am brüllenden Rettungsschwimmer zu schaffen macht. Vom menschlichen Wesen, das sie kurz vorher noch war, ist nur die Hautfarbe übriggeblieben.
Nichts, wovor ein ordentliches Paddel kapitulieren müsste, und so genügen ein paar Schläge, damit der Ranzhaufen in seinen eigenen Innereien zugrunde geht. Inklusive meterhoch spritzenden Bluts, zurückbleibender Wunden und des einen oder anderen fliegenden Kopfes. Kann schon mal passieren. Aus Koch-Media-Kreisen ist übrigens nur zu vernehmen: „Wir werden das für Deutschland auf keinen Fall schneiden“. Wohl nicht die schlechteste Idee, bedenkt man, wie viel morbider Charme einem Zombie-Spiel ohne Pansen mit Tomatensoße verlorenginge.
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