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Activision vs. West & Zampella: von Heimlichkeiten und gebrochenen Versprechen
„Macht euch keine Sorgen. Es ist unmöglich dass ihr Jungs gefeuert werdet!“. Das waren laut Jason West und Vince Zampella die Worte von Bobby Kotick im Jahr 2008. Damals schlossen beide eine Absichtserklärung mit Activision ab, die ihnen die uneingeschränkte kreative Kontrolle über jegliche Entwicklungen und Produkte unter dem Markennamen Modern Warfare oder Call of Duty geben sollte. Doch jetzt, zwei Jahre und ein Call of Duty später, sind sie raus. Entlassen aus dem Studio, das sie einst gründeten.
Erst kürzlich wurden bei der Prozesserweiterung auf Publisher Electronic Arts neue Vorwürfe der Gegenseite laut, Activision habe West und Zampella im Jahr 2008 betrogen und Versprechen nicht eingehalten (wir berichteten); hierzu wurden nun weitere Details bekannt.
Mit einer Absichtserklärung habe Activision den Köpfen seines Studios neben erweiterten Lizenz-Zahlungen eine noch nie dagewesene Kontrolle über alle Entwicklungen rund um Modern Warfare und Call of Duty versprochen. Kein Spiel oder Produkt mit diesen Markennamen dürfe ohne die Zustimmung von West und Zampella veröffentlicht werden; sie spielten nun „in den großen Ligen“ mit. Damit habe Activision das Sequel zu Modern Warfare absichern und ihre Attraktivität als Fusions-Partner für Vivendi-Games steigern wollen, mit denen sie gerade mitten in Verhandlungen zur Verschmelzung von Activision-Blizzard steckten. West und Zampella hofften, durch den Vertrag ein unabhängigeres Studio zu werden, wie es bei Blizzard üblich ist.
Diese versprochene Kontrolle über die beiden Marken war gemäß Erklärung jedoch unmittelbar an ihre kontinuierliche Beschäftigung bei Infinity Ward gebunden. Eine Bedingung, die West und Zampella laut Anklageschrift während der Vertragsverhandlungen große Sorge bereitet hatte, doch damals von Bobby Kotick mit den Worten „es ist unmöglich dass ihr beiden Jungs gefeuert werdet“ zerstreut wurde. Der Vorwurf lautet nun, man habe sie damit in betrügerischer Absicht zu einem Abschluss der Absichtserklärung „verführt“.
Nicht nur das: Während West und Zampella weiter hart an der Entwicklung von Modern Warfare 2 gearbeitet hätten, habe Activision schon damals geplant, sich nach Release von beiden zu trennen, so der Wortlaut der Gegenklage. Nicht nur wurde die per Absichtserklärung zugesicherte Autorität auch innerhalb des Studios ständig untergraben, Activision habe gar hinter ihrem Rücken an der Entwicklung weiterer Call of Duty & Modern Warfare Spielen und Produkten gearbeitet, ohne dies genehmigen zu lassen. Nach Meinung von West und Zampella ein klarer Verstoß gegen den Vertrag.
Laut ihrem Anwalt Robert Schwarz könnte die neue Aktenlage dazu führen, dass Activision entweder Ausgleichzahlungen mit einem dicken Scheck vornehmen oder ihren eigenen Vertrag anfechten müssten. Am Ende könnten West und Zampella durchaus als neue Mitbesitzer der Marken Modern Warfare und Call of Duty aus dem Rechtsstreit gehen.
Eine Stellungnahme Activisions zu diesen Vorwürfen steht noch aus, wer nun wen betrogen hat oder vertragsbrüchig geworden ist, werden wohl erst die Gerichte klären. Hoffentlich blicken wenigstens die Richter hier noch einigermaßen durch... Welche Auswirkungen der Ausgang dieses Mega-Rechtsstreits auf unser Call of Duty haben wird, will man sich besser nicht vorstellen.
Quelle
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