Und mag Electronic Arts noch so sehr strampeln, die Richter lassen den Publisher doch nicht von der Angel. Der Antrag von Activision Blizzard, das laufende Gerichtsverfahren gegen die ehemaligen Köpfe von Infinity Ward auf EA auszuweiten, wurde am Mittwoch durch einen kalifornischen Richter bestätigt. Darüber hinaus fordern die Beklagten und ehemalige Mitarbeiter von Infinity Ward weitere Gelder ein, die ihnen aus dem Verkauf von Modern Warfare 2 noch zustünden.

Publisher Activision Blizzard (ATVI) hatte im März vergangenen Jahres die Köpfe seines erfolgreichsten Entwickler-Studios Infinity Ward - Jason West und Vince Zampella - gefeuert und Klage wegen Vertragsbruch eingereicht. Diese erhoben ihrerseits Gegenklage und forderten noch offen stehende Zahlungen von ATVI ein. Außerdem gründeten sie nach ihrem Rauswurf das neue Studio Respawn Entertainment und unterzeichneten den Vertrag für ihr erstes Spiel mit EA, Activision Blizzards größtem Konkurrenten auf dem Spielesektor.

Im Dezember 2010 beantragte ATVI die Erweiterung des Gerichtsprozesses auf Publisher EA (wir berichteten) und machte einen Schaden von 400 Millionen US-Dollar geltend, der ihnen durch den Deal zwischen EA und Respawn entstanden sei. Obwohl EA’s Anwälte den Vorwurf der aktiven Abwerbung aufs heftigste bestritten, hat das oberste Gericht in Kalifornien der Erweiterung des Gerichtsverfahrens nun stattgegeben.

Doch laut EA’s Pressesprecher Jeff Brown ist der Vorstoß ATVI’s nur ein Vorwand.

"Dies war und ist noch immer ein einfacher Fall von zwei Künstlern, die für ihre Arbeit bezahlt werden wollen. Wir sind zuversichtlich, dass die Jury sich auf die Seite von Jason und Vince stellen und Activision befehlen wird, die hunderte von Millionen zu zahlen, die sie ihnen schulden.“
Die Entscheidung von Elihu Berle, Richter des Kammergerichts in Los Angeles, EA nicht aus dem Prozess auszuschließen bedeutet jedoch nicht, dass sie letztendlich für die geforderte Summe haftbar gemacht oder tatsächlich längerfristig am Prozess beteiligt sein werden. EA hat immer noch die Option auf einen Richterspruch, der Activisions Klage zurückweist.

Zur Klage aus März 2010 von West, Zampella und 38 ehemaligen InfinityWard-Entwicklern auf Zahlung ausstehender Lizenzgebühren aus dem Verkauf von Modern Warfare 2 wurden außerdem weitere sechs Klagen hinzugefügt, von denen mindestens zwei auf Unterschlagung lauten.

Der Vorwurf:
Activision habe im Jahr 2008 Infinity Wards führenden Mitarbeitern „erweiterte Zahlungen aus Lizenzen“ versprochen, wenn sie bis zur Fertigstellung von Modern Warfare 2 bleiben, das Ende 2009 released wurde. Die Sicherstellung dieses Versprechens von West, Zampella und weiteren Mitarbeitern sei damals essentiell für Activision gewesen, um den Deal mit Vivendi’s Blizzard Entertainment in 2008 zu besiegeln. Sprich: wären die Mitarbeiter von Infinity Ward darauf nicht eingegangen, hätte die erfolgreichste Fusion aller Zeiten vielleicht nie stattgefunden. ATVI habe diese versprochenen Lizenz-Zahlungen bis heute nicht gezahlt.

Der Fall wird von vielen Interessierten der Spielebranche verfolgt, betrifft er doch das heißeste und erfolgreichste Franchise der Spielebranche – Call of Duty – welches in den vergangenen acht Jahren Umsätze in Milliarden-Höhe für Publisher Activision erzielt hat. Der Weggang von West und Zampella, die am allerersten Call of Duty Teil in 2003 beteiligt waren und mehrere Folgetitel entwickelten hin zu ihrem größten Konkurrenten Electronic Arts dürfte auch zukünftig noch für einige Schlagzeilen sorgen.